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3. Vogellisi-Festival Adelboden mit Beo Rockpreis 2003 (martina)
Von Belpmoos Richtung Paradies, einfach bitte!

Dunkellgraue Wolken spiegeln sich in den Bergen. Die Luft ist frisch, wie nach einem Frühlingsregen. Nur ist es das erste Wochen- ende im Juli - und Vogellisi-Festival in Adelbod- en. Das Gelände neben der Engstligenalp-Bahn ist klein und unspektakulär. Und doch kribbelt's im Bauch. Das wettersichere Zelt ist prall voll, die Stimmung ausgelassen, die Atmosphäre magisch.

Und ganz zuvorderst auf der Bühne steht Büne Huber und erzählt von seinen Träumen als kleiner Bub von Belpmoos und lässt die Träume Scharlachrot erscheinen. Der Berner versinkt in seinen Texten, und die Texte im Sound. Das Publikum verschmilzt mit dem Sound, grübelt über Büne's Gedanken. Alles ist weit weg, nur der Himmel, die Konturen der Bergen, im Hintergrund der Wasserfall. Der Weg ist nicht mehr weit, zum kleinen Paradies.

Aus dem Traum gerissen
Dann die kalte Dusche. Das Erwachen für die, die sich gerade in einer anderen Welt verloren haben. Der exentrische Rapper Stress hüpft nach Patent Ochsner auf der Bühne zu treibenden Beats. Ein Stilbruch, der erst eine knappe halbe Stunde später einigermassen verdaut ist. Stress dreht immer mehr auf und rapt, dass sogar nicht Rap-Freaks in den vorderen Reihen mithopsen und kräftig nicken. Der Westschweizer verliert keine Zeit und bringt seine nüchternen, französischen Botschaften energisch unter die Leute. Die spontane Euphorie hält sich aber nach einigen Stücken wieder in Grenzen, langsam wird's langweilig...

Explosiv trotz kalten 7 Grad
Die Schweizer Funk-Combo Grand Mother's Funck bringt den sexy Hüftschwung (Vorbild: Büne Huber) wieder zurück in die vordersten Reihen. Es ist zwei Uhr Nachts. Mit der zehnköpfigen Band geht's es erst richtig los. Der Sound bringt einen Adrenalinschub nach dem andern, macht süchtig. Grand Mother's Funck spielen lange, so lange, dass die Zeit immer unwichtiger wird.

Der Schweiss tropft einem nur so über die Stirn. Das Feuerwerk der Instrumente und souligen der Stimmen lässt sogar die kalten 7 Grad vergessen. Bis zum bitteren Ende. Denn die ganz Harten dürfen sich nun noch die Nacht in den Zelten um die Ohren schlagen...

Sonnenstrahlen und Gitarrenrock
Die harten Abenteurer stehen aber heute, Samstag, wieder unerwartet früh auf der Matte und erhalten als Belohnung sogar vereinzelte Sonnenstrahlen. Doch nicht nur dank dem gelben Glück wird es den Festival-Besuchern warm ums Herz. Der Berner Oberländer Singer & Songwriter Trummer steht dort vorne mit geschlossenen Augen, singt sich mit sanftem Gitarrenrock und poetischen Texten in die noch vom Vorabend geprägten Gemüter. Noch eine Spur rockiger ist die Bernerin Anshelle, die aber zum Opfer der Pause des Blacksheeps wird. So kehre ich gut gestärkt für eine lange Nacht, dafür mit einer musikalischen Lücke zurück ins Festzelt.

Frisurtipp statt Autogramm
Auf der Stage rennt nun ein Sänger von einer Ecke zur nächsten, die Haare zu Spitzen gegen alle Seiten zusammen geklebt. Die Augen sind dunkel, der Blick undurchschaubar und furchteinflössend. Der Sound ist hart. Geschockt ist aber niemand. Im Gegenteil. Stone the Crow faszinieren mit ihrer pausenlosen Bühnenpräsenz, reissen mit und überraschen zwischen den Metal-Songs mit Balladen, bei denen es einem zur gleichen Zeit kalt und warm wird.

Nach der Show verkauft und signiert Sänger Marc Fanartikel, doch fast spannender bei den weiblichen Fans ist die Frage: «Wie kriegst Du nur Deine Haare so hin?» Marc verrät sein
Geheimrezept wenig irritiert ab solchen Fragen und lächelnd:
«Mit sehr viel Haarwachs, das klappt!».

Wenn's am Schönsten ist...
Dafür ist er umso überraschter, als die Mädels ringsum kreischen: « I wett e mal für so ne Zyt under Wasser, im ne Aquarium alleini si, nume touche u läbe wine schöne Fisch, u nümm erwache us dere Wält.» Scream. In kürzester Zeit locken die Berner Mundartrocker mit ihrem Hit ihre Fans zurück ins Zelt. Und dort harren die Hartgesottenen aus, ganz vorne, auch während die Crew die Bühne sofort nach Scream für das Highlight des Abends umbaut: Die Lovebugs. Die Warterei macht ungeduldig- und kribbelig. Die Spannung steigt. Das Licht geht aus und die Scheinwerfer blenden auf.
Plötzlich rennen die Jungs auf die Bühne, das Publikum kreischt, Sänger Adrian lächelt, nimmt das Mikro und die Lovebugs lassen einem gerade noch die kurzen Pausen zwischen den Songs um Luft zu holen. Noch geben sie nicht Vollgas.

Man spürt es, es fehlt etwas, etwas das am Brodeln ist. Es wird immer heisser. Die Pausen noch kürzer. Das Adrenalin steigt. In den vordersten Reihen wird's immer enger, die Leute flippen aus, tanzen und singen mit. Unendlich und noch länger. Bis sich die Vogellisi-Besucher und die Basler Band ein letztes Mal gegenseitig aufheizen. Die Spitze des Berges. Die Fans sind nass geschwitzt und kaputt. Ich auch. Erledigt und glücklich. Ich gebe auf, habe keine Energie mehr für den letzten Act, die Schlagerband Schnulze und Schnulze.

Und wie sagt man doch so schön, immer wenn's am Schönsten ist, sollte man aufhören!


Beo-Rockpreis 2003
Während die Musikfreaks vor Kälte schlotterten, zitterten auch acht Newcomer-Bands hinter der Bühne. Allerdings nicht wegen den fast winter- lichen Temperaturen. An den beiden Vogellisi-Festival-Tagen wurde der Halbfinal des Beo-Rockpreises 2003 durchgeführt.

Die ersten vier Bands kämpften am Freitagabend, 4. Juli, um den Einzug ins Finale und die anderen vier mussten sich am Samstagnachmittag, 5. Juli, der Fachjury und dem Publikum stellen. Und wie das bei Contests ebenso ist, gibt es immer Gewinner. Verlierer gab es am Vogellisi-Festival aber keine. Alle acht Bands brachten eine Super-Leistung auf der Bühne und zeigten einmal mehr, dass man die Stars von Morgen gar nicht so weit suchen gehen muss.

Die vier glücklichen Gewinner-Bands sind die Hard Rocker Traffic-Lights, die Gewinner der ersten Runde des Studiowettbewerbs auf blacksheep.ch Predominant Lunatics, die harten
Earthmachine (haben auch einen Gig am Open Air Gampel) und die Tonkünstler Sonus Fluctus.


Der Final geht nun am 30. August am Open Air «Move to Rugenrock» über die Bühne. Neben der Chance Studiotage zu gewinnen, können sich die Finalteilnehmer mit dem Beo-Rockpreis auch die Türe zu grösseren Auftritten öffnen.


Mehr Informationen:
www.vogellisi.festival.ch
www.mov-to-rugenrock.ch