Da es mir als Blinder nicht möglich ist, allein an eine solche Konzertveranstaltung zu gehen, beschloss ich, in Begleitung meines Freundes hin zu gehen. Auf unbekannten Festivalgeländen und in so grossen Menschenmassen, ist es für mich schwierig, die Orientierung zu behalten.
Nach einer zwei stündigen Zugfahrt kamen wir in Frutigen an. Dort stiegen wir auf ein Postauto um, dass uns nach Adelboden fuhr. Die Strecke war sehr Kurvenreich. Mein Freund war begeistert, von der schönen Aussicht. In Adelboden angekommen, quartierten wir uns im Hotel ein. Zelten ist nicht mein Ding. Auf einem Zeltgelände kann ich mich nicht orientieren.
Wir begaben uns zum Busbahnhof, wo wir auf den Shuttlebus warteten. Mit uns warteten noch etwa 30 Leute. Da tauchte ein kleiner Bus auf. Der nette Chauffeur erkannte gleich die Situation, dass ich blind war, und platzierte mich auf dem Beifahrersitz. Die lange fahrt durch die immer wilder werdende Natur endete hinten im Tal bei der Engstligen Alp Bahn, wo sich auch das Festivalgelände befand.
Mein Begleiter schwärmte von der atembe- raubenden Bergkulisse, die sich um das Festival- gelände herum auftürmte.
Doch mich begeisterte die Musik mehr. Ich musste mich allerdings erst durch das Gelände kämpfen.
Der Weg war steinig und uneben. Es roch nach Kuhmist und Raclettekäse.
Wir begaben uns über Stock und Stein hinauf ins Festivalzelt. Als wir drinnen waren, gaben Dada Ante Portas ihren Sound zum Besten. Wir schauten uns nicht den ganzen Act an, sondern erkundeten stattdessen etwas die örtlichen Gegebenheiten. Bald genossen wir mit der restlichen Blacksheep-Crew das erste Bier. Nach einer Umbaupause kam unser Highlight des Abends, es war der Auftritt von Züri West. Die Umbaupausen hatten es für mich in sich. Man konnte nämlich gut dem Soundcheck zuhören. Als dann der Werbevorspann mit den Sponsoren des Festivals ertönte, begaben wir uns ins Zelt. Die Konzerte wurden allesamt in einem wettersicheren Zelt abgehalten. Das hätte man sich Dieses Jahr sparen können, denn das Wetter war durchaus prächtig.
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| Der Zeltplatz |
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Wir stellten uns mitten ins Publikum und hörten Kuno Launer zu. Hinter uns hatte ich zusätzliche Bckingvocals durch zwei Teenies, die die ganzen Texte lautstark mitsangen. Ich war ganz fasziniert! Lustig fand ich auch, als Kuno eine Textpassage vergass und diese dann nach dem Song vorlas. Nach dem Züriwest-Konzert, musste ich mal eine Toilette aufsuchen. Mein Begleiter führte mich zielsicher hin und wir stellten uns in die Warteschlange. Als ich dann in den Vorraum kam, stand ich mit den Schuhen im Wasser...
Kaum waren wir wieder im Zelt, standen schon The Tarantinos auf der Bühne. Die Musik war nicht so ganz unser Stil und das Konzert war für meine Ohren nicht gut abgemischt. Auch war ich mir nicht ganz sicher, ob das Publikum nur lauter oder vielleicht auch aggressiver wurde. So beschlossen wir uns ins Hotel zu fahren. Wir standen vor dem Festivalgelände, und warteten auf den Shuttlebus. Es dauerte eine ganze Weile, denn man hatte den Publikum Andrang völlig unterschätzt und war dem entsprechend etwas überrollt worden.
Im Hotel angekommen, machten wir's uns gemütlich und kuschelten uns unter warme Bettdecken. Arme Blacksheeps, die da im Zelt schlafen mussten, denn es schien eine kalte Nacht zu werden...
Am Frühen Nachmittag brachte uns der Shuttlebus wieder zurück in die Wildnis. Dort war gerade die Ausscheidung für den Beo-Rockpreis im gang. Wir entschlossen uns, mit der Gondel auf die Engstligen Alp zu fahren. Dort Liefen wir an einen Punkt, wo mein Freund den Wasserfall beobachten konnte. Für mich war es eindrücklich, dem Geräusch des Was- sers, das herunterfiel zu zuhören. Später stiessen die anderen Blacksheepcrew-Mitglieder dazu. Wir setzten uns auf eine Bank, und genossen die frische Bergluft. Dann kam noch ein echter Geissbock zu unserer Truppe und liess sich von uns streicheln. Wieder im Tal, zog es meinen Freund und mich in ein Gartenre- staurant, welches gleich neben dem Festivalgelände stand zu Rösti und kalten Getränken. Im Hintergrund kämpften noch immer die Bands um den Beo-Rock- preis und lieferten uns eine feine Begleitmusik zu unserem Schmaus.
Gestärkt zog es uns wieder ins Zelt. Dort spielten gerade Sonus Fluctus, die Preisträger des letzten Jahres. Danach servierten uns Open Season fetzigen Ska, Rocksteady und Reggae.
Da musste ich mich auch ein bisschen bewegen. War zwar nicht ganz einfach. Das Gelände war uneben. Normalerweise höre ich den Konzerten nur zu. Hier ging das nicht!
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| Der Zeltplatz |
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Als das Konzert zu Ende war, brauchten wir eine Abkühlung und die fanden wir in einem Vogellisi-Drink, einem Gemisch, aus Fruchtsaft und Alkohol. Jetzt kam Myrto auf die Bühne. Da die Sängerin von Subzonic in einem sehr breiten Züridütsch singt und mir Züridütsch sehr gefällt, war ich sehr auf diesen Auftritt gespannt.
Leider war dieser enttäuschend. Das Konzert war so schlecht abgemischt, dass ich trotz meinen gut ge- bildeten Ohren die meisten Texte nicht verstehen konnte. Die Musik war zu dominant und es kam keine Stimmung auf. Dafür wurden wir von Bagatello ver- wöhnt. Diese A-Cappella-Gruppe brachte das ganze Konzertpublikum zum kochen. Es wurde fleissig mitgesungen. Für mich war dieser Auftritt das abso-lute High-Light vom Vogellisi-Festival. Als letzten Auftritt schauten wir uns noch Plüsch an.
Mich fasziniert vor allem de Ritschi. "Er isch immer so fröhlich druf". Bei ihrem Konzert, merkte man, dass es ein Heimspiel war. Das Publikum konnte die ganzen Texte auswendig, und das gefiel mir.
Überhaupt war das Publikum heute viel besser drauf, als am letzten Abend. Es war direkt schade, dass das Festival zu Ende ging. Wir setzten und mit dem Rest des Blacksheepteams und ein paar anderen Medienleuten noch ins VIP-Zelt und liessen das Festival ausklingen.
Mehr Informationen:
http://www.vogellisi-festival.ch