Zwischen Paris und Köln machte die viel gelobte UK-Band MUSE im Tägerhard Wettingen halt und gab ihr langersehntes Konzert. Die drei Jungs Matthew Bellamy (am Piano und am Mike), Dominic Howard (an den Drums) und Chris Wolstenhome (am Bass) präsentierten am 20.11.2003 dem Deutschschweizer Publikum ihr neues Album "Absolution" mit grossem Erfolg.
Ich bin sicherlich nicht der grösste MUSE-Fan aller Zeiten, das gebe ich gerne offen zu. Aber zumindest kenne ich die beiden ersten Alben "Showbiz" und "Origin of Symmetry" mehr oder weniger auswendig. Also nicht, dass ich jetzt jeden Song samt Text auswendig singen könnte, aber ich wäre wohl immerhin in der Lage die meisten Melodien mitzusummen, und der Neuling "Absolution" ist ebenfalls ein nennenswerter Batteriekonsument in meinem Discman. Auf jeden Fall geht es darum, dass ich mir nicht sicher bin, ob es nur mein persönlicher oder ein allgemein verbreiteter Eindruckist, dass das Konzert, um es vorwegzunehmen, eine Enttäuschung war.
Das Konzert begann mit der Vorband "Cave In", ehrlich gesagt ein Desaster wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Nicht genug, dass die Techniker vergessen hatten das Mikrophon des Sängers anzuschalten, irgendwie vermittelte mir die Band das Gefühl, als ob sie das Publikum mit möglichst raffinierten, aber sehr, sehr lauten Schlagzeugrhythmen und überverzerrten Gitarrenriffs für sich gewinnen wolle.
Ich weiss nicht, ob ich zu viel verlange wenn ich behaupte, dass mindestens EIN Wort in EINEM Songtext schon rein akustisch verständlich sein sollte, zumindest wenn es sich um die Vorband der momentan kreativsten Band der Welt handelt.
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Die Musiker in ihrem Element (Bild Claudia)
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Kaum war "Cave In" von der Bühne verschwunden machte sich grosse Vorfreude auf den Main-Act breit. Leider musste unser Verlangen nach Bellamy und seiner Crew eine ganze Weile unterdrückt werden. Erst nach einigen Pfeifkonzerten seitens des Publikums und einer 40 minütigen Wartezeit trat die Boygroup vor unsere Augen und eröffnete schlussendlich unter lautem Beifall doch noch das Konzert. Mit rockigen Songs wie "New Born" oder dem etwas langsameren, viel verträumteren Stück "Sing for Absolution" aus dem neusten Album gelang es ihnen dann schnell die Menge zu begeistern. Mit "Citizen Erased" aus "Origin of Symmetry" begannen die Techniker, eine Kulisse auf die Rückwand der Bühne zu projizieren. Die Bilder wirkten absolut passend und unterstützen den spaceigen Klangteppich phantastisch (Landschaften, Himmel, Mondaufnahmen, etc.).
Teilweise wurden über eine im Keyboard montierten Kamera die Fingerfertigkeiten von Bellamy in Grossformat der mittlerweile tobenden Masse vorgehalten, was vor allem beim Pianointro zu "Space Dementia" beeindruckte. Des Weiteren wurde aber auch oft Nonsens auf die Leinwand abgebildet, wie zum Beispiel irgendwelche Soundvisualizer, welche zweifellos an die von WinAMP 2.x erinnerten.
Überzeugend war hauptsächlich das technische Können aller drei Musiker: der glasklare Gesang von Bellamy und seine Gitarrensoli, die maschinenähnliche Präzision des Bassisten Wolstenhome und das Rhythmusgefühl von Howard. Jeder leistete das Maximum auf dem jeweiligen Instrument, was sich schlussendlich in den Meisterwerken der Komposition in ihrer vollen Kreativität widerspiegelte. Schade waren jedoch die Mängel am Sound aus technischer Sicht: die Abmischung! Der Gesang deutlich zu leise, dasselbe auch für die Gitarre und teilweise für das Piano. Dementsprechend waren Bass und Drums weitaus zu dominant für eine homogene, in sich stimmende Soundabmischung. Ein weiteres Problem gestaltete sich in der schlecht durchlüfteten Turnhalle:
Der Saal hatte sich nach und nach in eine wahre Sauna entwickelt, in welcher die T-Shirts durch den Schweiss anderer (!) Konzertbesucher durchtränkt wurden. Ich will nicht übertreiben, aber wenn man nach einem Klobesuch wieder in die Halle trat kondensierte der Schweissdampf in lauter winzigen Tröpfchen an den Brillengläsern.
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Der Drummer in Action (Bild Claudia)
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Ich weiss nicht, ob ich zu hohe Erwartungen an das Konzert von MUSE gehabt habe oder ob sich meine Eindrücke mit denen anderer Konzertbesucher decken, aber wenn ich ehrlich sein soll, so war ich von dem Auftritt dieser oft verherrlichten Band doch sehr enttäuscht. Obwohl dem Publikum beinahe alle grossen Hits (Bsp: "Hyteria", "Blackout", "Plug in Baby" und, mein Favorit, "Bliss") sowie das neue Album "Absolution" komplett präsentiert wurden führte, kaum merklich, ein monotones, einseitiges, "abgespacetes" Grundschema durch alle Songs hindurch.
Die Vielschichtigkeit vieler Titel auf den Studioaufnahmen ging schlicht und einfach verloren. Die Künstler waren auch nicht wirklich in der Lage, eine gemeinsame Einheit zu bilden, indem zwar alle ihr Bestes gaben, aber jeder sich in seinem Bereich der Bühne (mit einem Radius von kaum weniger als 7 Meter) befand und so auch wenig Kommunikation untereinander stattfinden konnte.
Es fehlte dem Konzert an Bindungen zwischen den Musikern sowie auch von der Band zum Publikum, ergo ebenfalls an Wärme, an Begeisterung der Musiker, die ich bis dahin so bewundert hatte.
Infos:
www.muse-official.com/