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Kiss-Gitarrist Bruce Kulick in Adelboden (martina)
KISS war mein Highlight!
Er war zwölf Jahre lang der Lead-Gitarrist der legendären Rockband KISS, spielte unter anderem mit Meatloaf zusammen und hat im 2001 schliesslich sein erstes Solo-Album "Audio Dog" herausgebracht. Im November rockte Bruce Kulick in Adelboden und gab für blacksheep.ch ein exklusives Online-Interview.


Auf seinen Pressefotos posiert der Gitarrist aus Los Angeles in schickem Anzug, mit coolem Blick und perfektem Hintergrund. Beim Soundcheck in Adelboden probte der sympathische Musiker im Faserpelz, Wollmütze und stets einem Lächeln im Gesicht. Bruce Kulick live. Schon während den Proben wurde ich vom Rockstar und seiner Band, mit der er für die wenigen Schweiz-Gigs zusammenarbeitete, auf das Konzert am Abend eingestimmt. Doch bevor die Jungs auf der Bühne der Alten Taverne abrockten und mit ihrem Metal-Rock das Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis machten, verblieb noch ein bisschen Zeit zum Ausspannen und Bruce Kulick erzählte, was früher im Musikbusiness anders war als heute:

«Jede Generation bringt einen neuen Styl mit und neue Sachen sind in. Rap ist sehr populär geworden, früher war Rock 'n' Roll die Rebellion. Schlecht ist, dass Rap den Rock 'n' Roll vertrieben hat, das Gute ist, dass der Sinn der Musik immer noch der Gleiche ist, wie früher. Nämlich Freude zu machen».

Ich merkte schnell, dass Bruce nicht nur Musik macht, sondern diese auch lebt, als er über seine Erlebnisse erzählte. Für den Beatles-Fan war schon früh klar, dass er Musiker werden will: «Ich wusste wirklich nicht, was ich sonst hätte machen sollen.»

Bevor Bruce zu KISS stiess, hat er verschiedene Projekte mit Meatloaf, Michael Bolton und Billy Squier verwirklicht. 1984 begann für den Musiker das Highlight seiner bisherigen Karriere: KISS. Eine Chance, die ihm viele Reisen ermöglichte und durch die er sich einen Namen schaffen konnte.

«Eigentlich war mein Einstieg nur für vorübergehend geplant. So für zwei, drei Wochen.»

Schliesslich tourte Bruce Kulick zwölf Jahre lang mit der wohl berühmtesten und schrägsten Band dieser Zeit durch die ganze Welt. Eine Zeit, die ihn sehr geprägt hat. Nach seinem Ausstieg bei KISS gründete der Gitarrist seine eigene Band «UNION». Mit dem Ex-Motley Crue Sänger John Corabi nahm er zwei Studio-CD's und ein Live-Album auf. Im Jahre 1999 gewannen «UNION» den Metal Edge's best new band award. Weiter ging's für Bruce mit der 70's Rockband Grand Funk Railroad, bevor es ungefähr ein Jahr später soweit war: Bruce Kulick brachte seine erste Solo-CD «Audio Dog» auf den Markt.

Der Hundefan hat zwar schon länger mit dem Gedanken gespielt ein Solo-Album aufzunehmen, fühlte sich aber noch nicht bereit dazu. Erst nach dem 2. Album mit «UNION» hatte Bruce das Gefühl, selber etwas produzieren zu wollen. Wichtig war für ihn, Musik zu machen, die ihm gefällt und selber zu singen. Auf «Audio Dog» konnte er nun seine beiden Leidenschaften, sein Hund «Joe» und die Musik, verbinden. Während seinen Spaziergängen mit «Joe», kommen Bruce die Ideen für seine Songtexte. Naheliegend, dass sein Album ihn und sein Leben repräsentiert.

Doch in seinem Sound ziehen eindeutig nicht die Lyrics die Aufmerksamkeit auf sich: Der Gesang wird zur Nebensache und die Gitarrenriffs übernehmen die Hauptrolle. Denn Bruce Kulick's ausgereifte Solos gehen unter die Haut. Er versteht es mit seinen Gitarren-Melodien, Gefühle auszudrücken, die man nicht in Worte fassen kann.

«Die Gitarre ist ein einzigartiges Instrument und es reagiert besonders darauf, wie man damit umgeht»,

so beschreibt der emotionale Star-Gitarrist seine Liebe zur Gitarre. Vielleicht liegt sein Erfolgsgeheimnis in seinem Zitat:

«Kreativ sein heisst, nicht so viel zu denken und sich gehen lassen».

Sich gehen lassen ist unter seinen Songs überhaupt kein Problem. «Audio Dog» ist zwar deutlich härter als der Sound zu KISS-Zeiten, bringt aber mächtig Adrenalin ins Blut und beweist, mit wie viel Gefühl Hard-Rock gemischt mit Metal, gespielt werden kann, ohne lächerlich zu wirken.

Adrenalin ins Blut brachte auch der Gig in Adelboden. Während knapp eineinhalbstunden rockten Bruce Kulick und seine professionelle Band was die Holzenbalken hielten und brachten das Publikum ganz schön ausser Atem. Natürlich durften auch «alte» Kiss-Hits nicht fehlen, die der geladenen Atmosphäre schliesslich noch den Höhepunkt setzten. Nach dem Gig, der viel zu schnell vorbei war, hiess es aber noch nicht Abschied nehmen. Der Gitarrist nahm sich für seine Fans Zeit, plauderte mit ihnen und verteilte Autogramme. Bevor er sich am nächsten Tag zuerst auf den Weg zu einem Heavy Metal-Festival nach Norwegen machte und dann den langen Heimweg nach Los Angeles in Angriff nahm um sein nächstes Album aufzunehmen:

«One life you got no points if you don't take a shot. Give it all you have!».

Mehr Informationen:
http://www.kulick.net/
Radio-Interview