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Internetradios in Bedrängnis (dieter)
Das Trauerspiel um bimuradio.ch
Gute Ideen haben es immer schwerer. Vor allem, wenn sie den "Grossen" nicht in den Kram passen. Dann wechselt das Projekt nämlich sehr schnell die Seiten. Von der guten Idee zu potentiellen Gefahrenzone. Der Urheber von den Guten zu den Bösen.

Wie einfach und schnell das geht, durfte das Schweizer Internetradio www.bimuradio.ch erfahren.

Denn das Spezialitäten-Radio mit Schwerpunkt CH-Musik erhielt da kürzlich dicke Post von der IFPI (Eidg. Institut für Geistiges Eigentum), welche vornehmlich die Interessen der Industrie vertritt. Und genau diese hat null Freude an Internetradios. Vielleicht liegt dies daran, dass Internetradios häufig fernab vom Mainstream, dem Musikbegeisterten ein meist regionales, dafür aber breiteres Spektrum an Musik bieten. Oder könnte es sein, dass diese Art Medium wegen ihrer Unabhängigkeit anstösst? -Man darf spekulieren.

Es war sicherlich eine der schwierigeren Aufgaben, die geeigneten Werkzeuge zu finden, um ein Medium, das vornehmlich Musik spielt, die sonst keiner spielt und Bereiche abdeckt, die bis jetzt als absolut uninteressant eingestuft wurden, legitim in den Griff zu kriegen. Dies vor allem, wenn das Medium durchaus willig ist, den gesetzlichen Rahmen, soweit vorhanden, einzuhalten.

Die offensichtlichste Schwachstelle fand sich aber - wie immer - beim Geld: Internetradios wie bimuradio.ch haben einen zu kleinen Wirkungsgrad, um finanziell grossartig zu rentieren. Das Geltendmachen einer Schadenssumme wäre also ein gangbarer Weg, ein solches Medium verstummen zu lassen. Wenn auch ein nicht ganz einfacher, zumal in der Schweiz eine Schadensumme nicht beliebig festgesetzt werden kann. Man muss also einem Internetradio schon nachweisen, dass es den Markt schädigt und dies mit Fakten belegen können. Dank der globalen Erreichbarkeit übers Web, der aber absolut regional beschränkten Bedeutung eines Internetradios in der Grösse von bimuradio.ch ist ein Schaden, welcher durch das Anbieten von Radiosendungen übers Web entsteht, nahezu unmöglich zu belegen.

Es waren zugegeben findige Köpfe, die die Basis für die jetzt durchgeführten Repressionen legten.

Statt sich weiterhin die Köpfe mit nationalen, internationalen Sende- und anderen Rechten zu zerbrechen, wurde das Problem im Groben auf folgenden, zumindest technisch nicht ganz koscheren Nenner vereinfacht: Internetradios sind dann ein Radiosender, wenn sie eine Radiokonzession besitzen und der Server die Sendung aktiv streamt. Alle anderen werden als Anbieter von Musik-Downloads eingestuft und rechtlich auch so behandelt. Im Klartext heisst dies, dass ein Anbieter solcher Musikdownloads nicht "nur" die Urheberrechte einhalten, sondern erst einmal den Halter der vertriebs- und mechanischen Rechte fragen muss, ob und zu welchem Preis er einen solchen Download überhaupt anbieten darf! -Nicht schlecht, was!?! -Denn jetzt kann plötzlich eine belegbare, individuelle und nahezu beliebige Schadenssumme generiert werden. Und das Beste: Für den grössten Teil aller bestehenden Internetradios sind diese Konditionen nicht einhaltbar.

Geld oder Leben!
Und nun sind wir wieder bei der dicken Post im Briefkasten von bimuradio.ch. Denn, statt den Sender zu schliessen, erhielt dieser erst einmal einen Vertrag, welcher sich als eigentlicher Ablassbrief entpuppte.

Bei einer jährlichen Zahlung von CHF 5000.- und 4 % des Ertrages oder Aufwandes (bei bimuradio.ch wäre es des Aufwandes) dürfte bimuradio.ch weiter machen; wenn, und nun kommt die juristische Hintertür die weiterhin alle Optionen offen hält, bimuradio in einer CH-Landessprache (kein Problem) sendet und dafür sorgt, dass die Sendungen im Ausland nicht gehört werden können.


Dies ist im Internet eine ziemlich unlösbare Aufgabe und macht diesen Vertrag so zu einer eigentlichen Falle. Denn wer, nach unserem Einschätzen, diesen uneinhaltbaren Vertag eingeht, macht sich ganz sicher strafbar und liefert sich vollends aus.

Verpasste Chance
Ideen wie ein Internetradio bergen zugegebenerweise schon Risiken für die Musikbranche. Aber nicht nur! Internetradios wie bimuradio.ch sind doch die ideale Plattform, um musikalischen Nachwuchs zu fördern, testen und zu entdecken, da sie, im Gegensatz zu den "richtigen" Radios einem viel kleineren Kostendruck ausgesetzt sind und deshalb auch mehr wagen können. Warum also nicht Rahmenbedingungen schaffen, die das Zusammenleben mit allen Parteien ermöglichen, ja sogar eine Zusammenarbeit fördern? Könnte so zum Beispiel für die Musikindustrie nicht ein kostengünstiger "Probemarkt" entstehen, der gerade wegen seiner Unabhängigkeit klare und unverfälschte Bilder (mit lokalem bis internationalem Fokus) über die Akzeptanz von neuer Musik liefert?

Wie weiter
Für bimuradio.ch stellen sich diese Fragen und Aussichten derzeit nicht. Der Betrieb musste vorerst eingestellt werden. Von Aufgeben ist bei bimuradio.ch aber keine Rede! Gesucht werden nun Bands, die keiner Plattenfirma unterstellt und einverstanden sind, dass ihre Musik im Onlineradio gespielt wird. Wer also selber eine CD, MC oder LP produziert hat, sende sein Werk umgehend mit einer schriftlichen Sendeerlaubnis (Ich erlaube bimuradio.ch meine Musik zu spielen...) an Bimuradio.

Und; wer hätte das gedacht, dass die eigene Musik einmal nur dann ins Radio kommt, wenn man keinen Label-Deal hat... bis anhin war das doch eher umgekehrt...


Mehr Informationen:
http://www.bimuradio