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Die Hoteldirektion unseres ersten Aufenthaltsortes hatte Carmen und mir netterweise ein Taxi für die Weiterreise organisiert, mit welchem wir erleichterten Herzens das kleine, doch sehr ansehnliche Dörfchen verliessen. Unter den fragenden Blicken einiger Jungs, die uns sicherlich sehr gerne ein paar Tage länger hier gesehen hätten, tuckerten wir auf und davon. Mit einem tränenden und lachenden Auge blickte ich zurück, in der Meinung, niemals wieder zurück zu kehren...
Zuerst fuhren wir mit der festen Absicht los, uns an einen Bahnhof - zwecks Weiterreise mit Zug - bringen zu lassen. Während der gemütlichen Fahrt jedoch entschieden wir uns in der Nähe eines jeden Bahnhofs für den nächsten Ort, um schliesslich den endgültigen Entschluss zu fassen, den ganzen Weg bis zu Goas Hauptstadt Panjim im Taxi zu geniessen.
Wir waren hier reich und lebten das nun aus. Die Ferien hatten ja gerade erst begonnen, da guckt Claudia noch nicht so streng in den Geldbeutel.

Wir rumpelten über ausgedorrte, gelbe Felder, durch wilden Waldwuchs und an abgerissenen Bauten, an riesigen Werbeplakaten auf zitternden, dünnen Holzkonstruktionen inmitten Niemandsland und am Boden lümmelnden Indern vorbei, die völlig kraftlos schienen. Wie die Wiesen ausgedörrt von der Hitze. Wir fuhren an Arbeitern vorbei, die Häuser bauten, inmitten derer eine zierliche, junge Inderin, gekleidet im leichten Sari, die einen schweren Stein aufhob. Der Schweiss glänzte auf ihrer Stirn.
Unwirkliche Bilder und doch Realität. Im Sog der über dem Lande herrschenden Schwüle starrte ich aus dem Fenster, fasziniert von der Unwirklichkeit dieser Szenen.
Durch den Fensterspalt spürte ich die Geschwindigkeit des Taxis in meinen Haaren. Was hätten wir bloss in einem Zug gemacht, von dem uns eingetrichtert wurde, er sei sowieso immer überbesetzt? Niemals hätte ich solche Eindrücke sammeln können und mehr von Goa in so kurzer Zeit sehen können.
Kurz bevor wir in Panjim einfuhren, begegneten wir einem Schild mit folgender Aufschrift: "Hospital Panjia". Dasselbe in eine der zahlreichen indischen Sprachen übersetzt, wahrscheinlich in der meist gesprochenen, Hindi. Carmen und ich wagten einen Blick zurück, betrachteten erschreckt das graueneinflössende, auseinanderfallende, dunkle Gebäude und hofften, nie, nie, nie, nie, nie dort zu landen. Es wirkte wie ein Kerker, als ob hinter den dunklen Fenstern Schreckliches passieren würde.
Endlich kam wieder Leben in unsere Reise. In immer kürzer werdenden Abständen tauchten immer dichter besiedelte Häuserketten auf, die Menschen in den Strassen wurden mehr und mehr und plötzlich befanden wir uns im hu- penden, impulsiven Strassenverkehr der Hauptstadt.
Überall begegneten uns nun auch bleiche Touristen und beneidenswert schöne Israelinnen, zu erkennen an ihrem glänzenden, olivfarbenen Teint.
Die Suche nach einem passenden Zimmer gestaltete sich schwieriger, als wir uns gedacht hatten. Trotz der lockeren Geldbörse lagen die meisten Zimmer, wenn sie denn überhaupt frei waren, weit über unserer vor der Reise beschlossenen Preisgrenze. Natürlich wurden wir auch hier fündig und landeten nach einer minutenlangen durch-enge-Strässchen-im-Kreis-rumfahren-Odyssee in einem nicht mal so schlechten, nach portugiesischem Vorbild gebauten, mit Pflanzen verhangenen Haus, das sogar einen Wachhund hielt. Deswegen schlossen die guten Besitzer auch bereits um 23 Uhr nachts, was uns dazu zwang, spätestens um diese Zeit zurück zu kehren.
Der Hund gehört halt eingesperrt und die angegrauten Besitzer möchten doch auch mal ins Bett. Diese jungen, entertainmentgeilen Westlichen wieder...
Bereits um 22 Uhr waren wir zurück. Diese Stadt entsprach nicht unseren Reisevorstellungen und wir beschlossen, nur diese Nacht zu bleiben. Wohin es uns führen würde, wussten wir noch nicht. Wie immer spontan nach Lust und Laune und meiner Entscheidungslosigkeit.
Ich begnüge mich damit, den Namen anzuschauen und zu sagen, ob er einen gewissen poetischen Reiz ausübt und damit den Wert bekommt, besucht zu werden. Und diese Anforderung erfüllte unser nächstes Ziel voll und ganz: Arambol.
Auf diesen Ort stiessen wir jedoch erst am nächsten Tag, als wir uns bereits auf dem weiteren Weg in den Norden Goas befanden.
Da dies wie ein Schluss klingt, beende ich nun meine Erzählung, obwohl da noch eine Bahnhofsgeschichte in Panjim in meinen Fingern brennt. Aber nein! Aus! Fertig! Nächsten Monat!
Mehr Informationen:
Teil 1
Teil2
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