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Wehmut, Herzschmerz und Abschied. Themen, die Polo Hofer in Songform wälzt. Heute beschreiben die Worte des Mundart-Rockers die Realität: Nach 18 Jahren Schmetterband zieht er einen Schlussstrich unter ein prägendes Kapitel. In einem Gespräch erzählte er über das Gefühl, als er seine erste CD in den Händen hielt, von seinen Erlebnissen und seiner Zukunft.
Ein kleines, schmuckes Café mitten in Bern. Ich stehe davor und stelle mir Bern in den sechziger Jahren vor: Ein Junge, der zwischen Bern und Interlaken pendelt, eine vierjährige Lehre als Handlitograph absolviert, mit Leib und Seele Musik macht und hier in dieser Beiz seine Kumpels trifft. Ich gehe weiter zum Eingang, öffne die Tür und tauche ab in die Zeit als es noch keine CD's gab und der Mundart-Rock erst am Entstehen war. In die Welt eines ewigen Poeten und Musikers, der die Schweizer Musikszene ganz schön aufwirbelte.
Interlaken, 16. März 1945. Niemand ahnt, dass Urs Hofer einmal bis über die Landesgrenze hinweg bekannt sein wird. Polo, der seinen Spitznamen den Polo-Shirst im Laden seiner Eltern verdankt, ist begabt. Er hat ein goldenes Händchen für Papier und Stifte und zeichnet seine Gedanken.
Doch mit Dreizehn schenkt ihm seine Mutter eine Platte von Louis Armstrong und Polo denkt: «So wie dä wott i o mau chönne singe».
Das Ende der Fünfziger
Polo weiss, was er will - und macht es. Musik. Als Schlagzeuger steigt der 16-Jährige bei den Four Jets ein. Ohne je an einem Schlagzeug gesessen zu haben. Doch Polo lernt schnell. Wird Leadsänger, Showman und aus den Four Jets entstehen Jetmen. Irgendwo zwischen Arbeiten und Schlafen spielen die jungen «Giele» ihre ersten Konzerte in Bars und Clubs. Die Songs sind noch gecovert. Im Jahr 1968 lösen sich Jetmen auf und der rebellische Polo macht mit den Pop Tales weiter, die er aber einige Monate später wieder verlässt.
Polo will mehr und gründet mit seinem ehemaligen Nachbarn Hanery Amman Rumpelstilz.
Nun kann der musikalisch ehrgeizige Berner seine Idee mit Mundart-Texten, die seiner Meinung nach in der Schweizer Musiklandschaft fehlen, verwirklichen. Die erste Single «Waarehus Blues» erscheint und bereits kurze Zeit später bringen Rumpelstilz ihre erste LP «Vogelfuetter» auf den Markt. Kurze Zeit später landen die «Stilze» mit ihrem Hit «Kiosk» einen Volltreffer und sind auf einen Schlag bekannt. Die zweite LP «Füüf Narre im Charre» mit «Kiosk» und «Teddybär» wird zu Polos erster goldener Schallplatte.
Polo Hofer und Schmetterband
1984 begann schliesslich ein 18 Jahre langes Kapitel, das nach den letzten Tönen nicht nur die Schweizer Musikszene prägen, sondern auch sehr viel Herzschmerz, Wehmut und Tränen hienterliess: Polo Hofer und Schmetterband. Kann man sich nach so vielen Jahren Musik noch an das Gefühl erinnern, als man die magische erste Schallplatte in den Händen hielt? Polo kann es:
«1975, das weiss ich noch genau, das war natürlich ein aufregender Schritt. Jetzt hab ich's gemacht, jetzt kann ich sie in den Händen halten, jawohl. Und natürlich auch Freude, dass sie gelungen ist. Wir haben sie selber finanziert und die Leute <angepumpt>. Aber wir konnten innerhalb eines halben Jahres die Schulden wieder zurückzahlen, das war schon ein gutes Gefühl!».
In der Zwischenzeit ist sehr viel gelaufen, vor allem technisch. Die analoge Aufnahmetechnik in den Studios hat zu digital gewechselt, die CD's wurden erfunden, die Jazzschule in Bern wurde gegründet und in den 80er Jahren entstanden natürlich die Lokalradios, die den Schweizer Musikern die Türen öffneten.
«Als unsere erste LP <Vogelfuetter> rauskam, gab's gerade mal das Radio Beromünster»,
erinnert sich Polo an die Flower Power-Zeit. Auch Polo's Karriere nahm ihren Lauf. Er wurde Wirt, Veranstalter, und Schauspieler im Film «Das Schweigen der Männer». Neben der Schmetterband realisierte er noch verschiedene andere Projekte und veröffentlichte den Gedichtband «Der Rock, der Roll + überhaupt».
Provokation in der Musikszene. Etwas, das sich bis heute jedoch kaum verändert hat. Polo ist sich sicher:
«Provokation hat's immer gegeben, das braucht's! Wenn so viele auf den Markt kommen wollen, muss man durch irgendetwas auffallen. Sich aus der Masse heraus heben, da ist Provokation ein sehr gutes Mittel. Allerdings sollte man nicht auf <die Dumme> provozieren.»
Sonnen- und Schattenseiten
Polo Hofer hat viel erlebt. Sehr viel. Die schönen Momente? «Wenn die Fans Höschen und BH's, Joints und Rosen auf die Bühne werfen», schmunzelt Polo verschmitzt. Doch Polo hatte schon ein paar Mal Glück in seiner Karriere: Unter anderem explodierende Joints, Holzbretter, die während eines Konzertes auf die Bühne fallen, ein Autorad, welches sich kurz vor der Autobahn selbstständig macht und eine Bombendrohung prägen seine Erinnerungen an vergangene Zeiten. Doch Polo liess sich nicht entmutigen und weiss:
«Man muss im Leben herausfinden, was man gerne macht und was man gut kann. Wenn man das zusammen bringt, hat man im Leben schon viel gearbeitet und dann macht das Leben auch Freude.»
Der Abschied von Polo Hofer und Schmetterband ist hart und emotional. Für viele. Man könnte, oder besser gesagt, müsste fast meinen, dass Polo für immer das Rampenlicht verlässt. Oder nicht? Der Musiker, der davon überzeugt ist, dass Musik das Beste ist, was die Menschheit je erfunden hat und für den die Welt ohne Musik «ganz truurig» aussehen würde, soll entgültig die guten Zeiten vergehen lassen? Nicht wirklich. Polo weiss noch immer was er will - und macht es. Erst einmal Ferien in Mexiko, ausruhen und über neue Projekte und Ideen nachdenken. Zuviel will der auf dem Boden gebliebene Berner jedoch noch nicht verraten. Einzig, dass ihm etwas Orientalisches in den Ohren liegt. Und wer bei der «Härzbluet»-CD lange genug wartet, weiss, dass er von Polo und Schmetterband für die Geduld belohnt wird. Nämlich mit einer umgeschriebenen Version von «Alperose»...
Mehr Informationen:
http://www.polohofer.ch/
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