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Vor etwas mehr als zwei Jahren ist die Krankheit mit dem so einfachen und doch so bedeutungsschwangeren Namen "Muse" ausgebrochen, aber unter uns gesagt: Ich habe gar nichts dagegen genommen. Da soll mir keiner kommen und sagen, das teetrinkende "good old" England bringe keine gute Musik mehr aus dem regennassen Boden hervor. Dominic Howard, an den Drums, Chris Wolstenhome, am Bass, und Muse-Motor Matthew Bellamy, Gesang und hinter dem Keyboard, beweisen das pure Gegenteil: sie sind das Mass aller (Rock-)Dinge. Israelis, Franzosen, Hawaianer, Italiener, Deutsche, selbst viele Westschweizer wissen von wem man spricht, wenn man Muse erwähnt. Nur an den Deutschschweizern scheint es spurlos vorübergegangen zu sein. Das soll natürlich nicht heissen, dass es nun von höchster Wichtigkeit ist, den Leuten zu sagen: "Loooos, kennt Muse, du kannst die nicht einfach nicht kennen. Nein, es ist aushaltbar hier in der Deutschschweiz, hier hat Muse noch meinen Understatement-Bonus. In Deutschland stehen bereits junge Teenies vorne am Bühnenrand, um das Trio anzuhimmeln und anzukreischen. Grössere Konzerte gewöhnt, kamen sie eines schönen sonnigen Tages ins kleine, öde, aargauische Muri ans Open-Air "Guggibad" und spielten vor weniger als einem Zehntel der Zuschauermenge, die sie Nun ist die Zeit gekommen, kurz einen kritischen Ton zum Konzertverhalten einzuschlagen. Ist es gerecht, einem kleineren Publikum den kalten Rücken zu zeigen, nur weil es nicht so zahlreich erschienen ist wie einen Tag zuvor? Oder war das die Müdigkeit, die zum Abschluss einer harten Open Air-Tournee durch Europa und wer-weiss-wo die Gemüter der Südengländer tötete? Wie viele Menschen wissen, wie es ist, sich tausendmal von denselben 23 Liedern über Jahre hinweg in dieselben Sphären hinabrieseln zu lassen, die jedes Mal von Neuem begeistern? Der Sound so charismatisch wie der Sänger, der hinter dem Keyboard steht, seine Melodien spielt und mit seiner unnachahmlichen Stimme seine Texte ins Mikrofon singt und scheinbar leicht die hohen Töne trifft. Und dann kam die Lätta-Werbung. Gemütlich sass ich zu Hause, stopfte kleine Pizzas in mich rein, und plötzlich hörte ich es: "It's a new dawn, it's a new day life for me, and i'm feeling gooood"; mein "Gute Laune"-Lied, wenn ich auf der Autobahn Richtung Arbeit fuhr. Aus dem Fernseher flimmerte uns eine Frau entgegen, die zwischen zwei Männern in blitzblanken weissen Laken eingewickelt lag. Neckische Bewegungen liessen vermuten, was die drei gerade so trieben. Doch plötzlich war die Lust nach einem mehr befriedigerenden Brotaufstrich, den man getrost auch ohne Brot verspeisen kann, grösser als die auf zwei muskelbepackte Männer im Himmelsbett und das nackte Fräulein machte sich auf den Weg zum Kühlschrank. Natürlich alles unterlegt mit Muse's "Feeling good", dem einzigen Song, der auf der zweiten CD "Origin of Symmetry" (2001) nicht Matthew Bellamys Handschrift trug. Ein Klassiker und im Moment gerade wieder an der Spitze der meistgespielten Lieder in meinem Disc Man ist der wohl bekannteste Song der Jungs: "Muscle Museum". Einfach genial! Die erste CD "Showbiz" (1999) wird dominiert von vier starken Liedern: "Muscle Museum", "Uno", "Escape" und dem wunderschön anmutenden langsamen Lied "Unintendend". In England wurden sie für "Showbiz" mit dem NME-Award "Best new Band" ausgezeichnet. Die zweite CD verfügt zwar nicht über solche Meisterwerke, doch kein einziges Lied fällt ab. Der Grund, wieso die Jungs überhaupt Musik machen, ist eigentlich ganz einfach: Es gab zu viele Jamiroquai-Kopien. Die neueste Platte ist seit Mitte 2002 auf dem Markt. Das Doppelalbum "Hullabaloo" beherbergt eine Liedersammlung von B-Seiten auf der einen und ein Live-Konzert im "le zenith" in Paris auf der anderen CD. Für eine mit Live-Auftritten nicht gerade überhäufte Anhängerin ein mit Sehnsucht erwarteter Glücksfall. Die Live-Version von "Muscle Museum" im Auto tönt zwar gut, doch live ist eben doch auch nicht gleich live. Muse zu sehen und zu hören fühlt sich anders an. Beim Konzert ist alles in blauschwarz getaucht, im Laufe des Endes fliegen riesige blaue Ballone über dem Kopf, die bei Berührung mit spitzigem Gegenstand glitzernde blaue und schwarze Fetzen vom Himmel fallen lassen. Langer Text, kurzer Sinn: Muse ist die sinnlichste, melodiöseste, mitreissendste, vereinnahmendste, erfrischendste, überraschendste, spannendste und überhaupt besteste Band der Welt! Ich bin gerne krank...
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