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Im Abart Zürich (Max)
Porcupine Tree

Kurz nach der Erscheinung des neuen Albums "In Absentia" begab sich die Britische Prog-Rock Gruppe am 3.März 2003 auf die lang ersehnte Europatour. Am 30.März trat die vierköpfige Band zu ihrem einzigen Konzert in der Schweiz im Zürcher Abart Music Club auf. Schon bei unserer Ankunft vor den Toren des schlichten, einladenden Konzertgebäudes konnte man die Begeisterung der aus der ganzen Schweiz an- gereisten Fans förmlich spüren; grosse Vor- freude lag in der Luft. Und als wir noch auf die Türöffnung warteten, hatten wir zufällig die Möglichkeit, die leisen Klänge der Probenden aus dem Gebäude zu hören, was sich durchaus positiv auf unseren Appetit auf die bevorstehenden drei Stunden auswirkte...

Einige Worte zum Abart Music Club:
Vor noch nicht allzu langer Zeit feierte der Zürcher Abart Musik Club seinen 5 Jahrestag. Ursprünglich als Location für die Präsentation von überwiegend vielseitiger Livemusik geplant, hat sich das Produkt, dank harter Arbeit von Oli Zemp und den Gebrüder Gremelmayr, auf Rockstile aller Härtegrade spezialisiert. So umfasst das Programm heute einerseits profitable Parties, andererseits verlustreiche Liveauftritte von Rockbands unterschiedlichen Kalibers.

Mittlerweile hat der (nur) 500 Besucher fassende Saal des Clubs eine respektable Berühmtheit erlangt, wie etwa auch bei der Deutschen Punkband "Die toten Hosen" oder eben bei "Porcupine Tree".

Die Geburt einer werdenden Legende
Im Jahre 1987 wurde von Steve Wilson, welcher gleichzeitig in seiner Band "NO-MAN" mitwirkte, die fiktive Psychedelic-Progressive-Rockgruppe als Scherz- und Soloprodukt ins Leben gerufen. Das ebenfalls neu gegründete Label Delirium Record begann sich schon nach kurzer Zeit für Steves Tapes zu interessieren, was zur Produktion des ersten Albums "Tarquin's Seaweed Farm" 1989 führte.

Erst nach zwei weiteren Alben seiner fiktiven Band rekrutierte Wilson im Jahre 1992 den Bassisten Colin Edwin, den Keyboarder Richard Barbieri und den Drummer Chris Maitland, um Porcupine Tree in die Welt der Realität zu holen.

Porcupine Tree, noch bis vor kurzem ein Geheimtipp unter den Rockliebhabern, verkörpert in den Augen vieler Fans die Nachfolger der legendären Rockband Pink Floyd. Nicht nur der Stil, sondern auch das ganze Drum und Dran erinnert an die Band des Masterminds Roger Waters. So versucht sie beispielsweise ebenfalls wie Pink Floyd, die Realität in Form von alltäglichen Geräuschen wie etwa Lautsprecherdurchsagen eines Flughafens oder Vogelgezwitscher in ihrer Musik einzufangen. Und obwohl Porcupine Tree ihrem Ruf als weitertragende Band der Pink Floyd Ära in den 70-ern durchaus gerecht wird, so kann es meiner Ansicht nach kaum jemals eine Musikgruppe geben, die so vielseitige und kreative Rockstücke schreiben kann wie die Erschaffer von "The Dark Side Of The Moon".

Ein Konzert der Spitzenklasse
Angesichts der Tatsache, dass Porcupine Tree erst seit kurzem internationale Beachtung geniesst, war die Vielfältigkeit des Publikums doch ziemlich erstaunlich: der Altersbereich füllte zwischen 18 und 60 Jahren die ganze Palette aus. Das Konzert selbst entwickelte sich zu einem absoluten Spitzenereignis, nachdem die Türöffnung eine knappe Stunde verspätet stattgefunden und die Luzerner Vorband Preen einen doch ziemlich enttäuschenden, um nicht zu sagen peinlichen Auftritt dargeboten hatte.

Kaum hatte sich der mit seiner John-Lennon-Brille gekleidete Frontman Steve Wilson auf die Bühne gestellte und einige Worte der Begrüssung an das Publikum gerichtet, da begann er auch schon sein Bestes auf der Gitarre zu geben und seine zarte, melancholische Stimme erklingen zu lassen.

Absolutes Highlight des Abends war eines meiner persönlichen Lieblingssongs "Even Less" aus dem Album "Recordings": nicht nur, dass die Instrumente im Allgemeinen perfekt aufeinander abgestimmt waren, auch die Gittarensoli von Steve Wilson klangen mitreissend! Drummer Gavin Harrison, welcher noch nicht allzu lang zum Line-Up von Porcupine Tree gehört, konnte insbesondere kurz vor der Pause in "Wedding Nails" sein Rhythmusgefühl unter Beweis stellen: sein Schlagzeugsolo war phänomenal und atemberaubend virtuos vorgetragen. Keyboarder Richard Barbieri und Bassist Colin Edwin unterlegten die Songs mit einem soliden Klangteppich: rechts in der Ecke stehend spielte Edwin gelassen auf seinem Fretless Bass, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Kurz gesagt: die Darbietung war einfach fantastisch!

Ohropax war unumgänglich
Ein unerfreuliches Detail war die etwas kleine Dimension der Bühne, welche sich unmittelbar vor dem Zuschauerraum in einer Ecke befand. So blieb den Tontechnikern (leider) nichts anderes übrig, als den Sound so zu verstärken, dass die Zuschauer der hintersten Reihe auch etwas mitbekamen, jedoch das Publikum direkt vor der Bühne Gefahr lief, eine Überbelastung des Trommelfells zu kassieren: das Tragen von Ohropax war unumgänglich.

Im Grossen und Ganzen war das Konzert hervorragend, nicht zuletzt wegen der abwechslungsreichen Zusammenstellung des Konzertprogramms. Und obwohl Porcupine Tree die gigantische, beinahe unerreichbare Vielschichtigkeit von Pink Floyd fehlte, traten sie deutlich aus dem Schatten der Rocklegende heraus und stellten am letzen Sonntag des Monats März anno domine 2003 ihre Kreativität, ihr Können, aber vor allem ihre Einzigartigkeit unter Beweis.

Mehr Informationen:
www.porcupinetree.com


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