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Special: Music4 Music 03 (martina)
Steckt die Musikszene in einem kreativen Tief?

Die Vögel zwitscherten es schon Wochen vor dem M4Music-Festival von den Migros-Einkaufstüten: «Pop not dead?» Das zweitägige M4Music-Festival vom 11./12. April hat es bewiesen: Pop lebt. Weitere Antworten gab's zwar keine mehr, dafür aber umso mehr Fragen, die für die M4Music-Conference aus der Tiefkühltruhe geholt wurden.

Das M4Music-Festival zeigte vor allem, dass der gute Wille und das Durchhaltevermögen zählen - und vor- handen sind. Mit dem zweitägigen Festival, organisiert vom Migros-Kulturprozent, bot M4Music Musikinteres- sierten und Szenenprofis eine Plattform, die in der Schweiz ziemlich rar ist.

Die verschiedenen Live-Festivals vom Freitagabend und dem phänomenalen Highlight, der Auftritt der Genfer «Young Gods» am Samstag, bewiesen, dass die Musikszene noch einiges mehr zu bieten hat als harmlose Mainstream-Melodien.

Kontakte wurden auch in der Contact-Lounge geknüpft. Dort konnten sich Musikschaffende und Interessierte über Themen wie Musik und Recht oder Management und Booking informieren und Experten sowie Organisationsvertreter, wie zum Beispiel von der SUISA, Fragen stellen.

Die nachmittägliche Aufmerksamkeit galt einerseits den Nachwuchstalenten. An der Demotape-Clinic wurden die, im Vorfeld ausgewählte Newcomer, von einer Fachjury live kommentiert. Anderseits standen die Podiumsgespräche über Themen wie die Vermarktung von Schweizer Musik im Ausland, die Veränderungen in der Klubkultur und die Entwicklungen der Radios im Vordergrund. Für am meisten Gesprächstoff sorgte jedoch der diesjährige M4Music-Slogan und Haupt- thema: «Pop not dead? Popmusik in der Krise - wer verliert, wer gewinnt?»


Optimismus trotz schlechten Zahlen
Gewonnen hat niemand - verloren auch nicht. Denn je- der, ob jetzt Musikindustrie, Musikschaffende oder Medien, haben alle mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Dabei geht's den einen schlechter und den andern besser. Der Londoner Musikjournalist Hanspeter Künzler, die Viva Swizz-Direktorin Asta Baumöller, René Renner vom Label «Grönland Records» und Knut Schlinger, Herausgeber der Musikwoche.de, analysierten die aktuelle Lage der Musikszene und gaben ihre Prognosen für die Zukunft ab. So haben die Major-Labels mit massiven Rückgängen bei Plattenverkäufen zu kämpfen, obwohl es eigentlich an «Superstars» nicht fehlt.

Das veränderte Konsumverhalten macht auch den «kleinen» Labels zu schaffen: Wo man früher in die Plattenläden ging und herumstöberte, kann man sich heute seine Lieblings-Songs bequem vom Internet herunterladen. Doch trotz der schlechten Bilanzen und Zahlen, die ihm Saal herumflogen, war auch Optimismus zu spüren. Mit gutem Beispiel voran ging René Renner von Grönland Records: «Mann kann auch mit wenig Leuten etwas längerfristiges aufbauen, wenn man nur daran glaubt.»


«Der Musik fehlt es an inhaltlicher Tiefe»
Hanspeter Künzler brachte das Podiumsgespräch auf den Punkt. Er sieht die Krise weniger bei den materialistischen Problemen wie CD-Brennen als beim musikalischen Inhalt: «Der Musik fehlt es an inhaltlicher Tiefe». Die Hitparade und zum grössten Teil auch die Playlists der Radiostationen sind langweilig geworden. Das Problem sei aber nicht, dass immer das Gleiche gespielt werde, sondern, dass alles gleich töne, war ein Standpunkt an der «No Show on the Radio»-Conference. Doch eins ist klar: Es gibt sie, die Musiker und Bands, die sich auch in ihrem Proberaum wohl fühlen, ihren Spass haben und deren Texte auch tiefgründige Hintergründe haben. Man muss sie bloss suchen gehen.


Neue Impulse als Chance?
Die grösste Chance für neue Impulse auf dem Musikmarkt sieht Künzler darin, dass man etwas ausprobieren muss und für das, was man machen will, auch einsteht, während Asta Baumöller von Viva Swizz der Hitparade zuversichtlich entgegen sieht. Es würden sich schon neue Strömungen zeigen, denn es seien nicht nur mehr Britney Spears und Shakira auf Platz eins, sondern auch Avril Lavigne.


«Gute Nachrichten» bei DRS3
Da an dem einführenden Podiumsgespräch ein Vertreter der Majorlabels und ein Musikschaffender fehlte, blieben einige, sehr interessante Fragen offen. Offene Fragen hinterliess auch die hitzige Diskussion über das Thema "No Show on the Radio". Der neue Leiter von Radio DRS 3, Benedicht Luginbühl versprach «gute Nachrichten» für die Entwicklung von DRS 3.

Die Quotenfrage für Schweizer Musik löste zwar reges Interesse aus, blieb aber ungeklärt. Ein Rätsel blieb auch, ob im nächsten Jahr die Quote für Schweizer Musik auch wieder ein Thema sein wird, oder ob diese dann endlich freiwillig gespielt wird.

Nun sind die Migros-Einkaufstüten mit dem «Pop not dead?»-Logo wieder verschwunden - und die Probleme der Schweizer Musikszene wahrscheinlich auch. Bis im nächsten Jahr, wenn die Vögel wieder von den Bäumen zwitschern.


Mehr Informationen:
www.m4music.ch/