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Krokus - Ein Gespräch mit Martina (Martina)

«Wir haben es gespürt: Der Rock kommt zurück»

Sie waren einst die erfolgreichste Schweizer Rockband aller Zeiten. Mit ihrem neusten Album «Rock the Block» sind Krokus zurückgekehrt, erfolgreicher als je zuvor - und mit Rockröhre Marc Storace. Am Mont Soleil Open Air erzählte der Rocker warum er mit Fernando von Arb "Krokus" wieder zum Leben erweckt hat.


Noch nie ist ein Krokus-Album von null auf eins in die Charts eingestiegen. Nicht seit ihren Anfängen am Ende der siebziger Jahren. Die Überraschung war gross, als das, was niemand erwartete, mit «Rock the Block» geschah: Krokus eroberten die Schweizer Charts und sind erfolgreicher als je zuvor. Die Fans, ob alt oder jung, sind überwältigt und jagen der früheren Zeit nach. Der Zeit als Krokus im ausverkauften Zürich Hallenstadion spielten und die USA eroberten. Seit ihrem Comeback Anfangs dieses Jahres ist das Lederhosen- und lange Haare-Fieber wieder ausgebrochen. Der Neustart einer Rockband, deren Name seit dreissig Jahren nie vergessen ging.

«Krokus ist eine lange Geschichte», schmunzelt Marc Storace und beginnt zu erzählen.»

Der richtige Zeitpunkt
«Wir haben gespürt, dass Rock wieder am kommen ist», beschreibt Rockröhre Marc Storace die Idee für das Krokus-Comeback. Marc Storace und Lead-Gitarrist Fernando von Arb gingen zu der Zeit noch getrennte Wege. Marc arbeitete gerade an seinem Soloprojekt DC-World, eine Tribute to Bon Scott and AC/DC-Band und Fernando werkte gerade wieder an einem Krokus-Projekt mit anderen Mitgliedern. Ein Comeback, das genauso schief lief, wie das Comback mit fast Original-Formation von 1995. «Wir hatten damals das Problem, dass wir den falschen Zeitpunkt ausgewählt hatten», erzählt Marc von dem einen von verschiedenen Versuchen, Krokus wieder zum Leben zu erwecken. Die beiden Rocker hatten lange nichts mehr voneinander gehört, als Marc seinen alten Band-Kollegen anrief und sagte:

«Fernando, jetzt kommt der Rock zurück und ich möchte wieder mit Dir zusammen arbeiten.»

Was Marc nicht wusste ist, dass Bassist Tony Castell, der schon längere Zeit mit Fernando zusammen arbeitete, zur gleichen Zeit auf eine Idee kam: Eine Krokus-Union mit DC-World und Storace. Schicksal. So wurden Rhythmus-Gitarrist Dominique Favez und Schlagzeuger Patrick Aeby von DC-World zur Band geholt. «Fernando und ich spielen wieder im Namen von Krokus zusammen. Ich glaube, wir haben beide realisiert, dass Krokus nur Sinn macht, wenn wir beide auf der Bühne stehen», das ist Marc mit dem Comeback bewusst geworden. Fernando spielt Lead-Guitar und Marc ist Lead-Vocals. Und die Lead-Instrumente werden von den Rhythmus-Instrumenten getragen, laut Marc vom besten Rhythmus-Team der Schweiz. «Es macht wirklich Spass mit dieser Band zusammen zu spielen. Sie sind jünger als wir und bringen sehr viel mit. Wir brauchen den Kick in den Hintern der Band», schwärmt Storace von der neuen Krokus-Formation.


Tränen für «Rock the Block»
Marc schätzt auch den Teamgeist der Bandmitglieder. Denn der gebürtige Malteser ist gerne viel beschäftigt und mag gerne verschiedene Musikstile. Deshalb arbeitete er im September mit der amerikanischen Heavy Metal-Band «Warrior» im Studio. «Ich habe den Segen von Krokus erhalten, das ist etwas, das viel Vertrauen, eine gewisse Reife braucht. Das Gefühl von Bruderschaft. Das sind die wichtigsten Dinge, die leider in der heutigen Welt immer mehr fehlen.» Marc liebt den Kampf, die Herausforderung, aber natürlich auch den Erfolg:


«Ich habe geweint, als ich erfahren habe, dass «Rock the Block» auf Platz eins eingestiegen ist.»

In diesem Jahr erlebten Krokus noch eine positive Überraschung. Zum ersten Mal in ihrer Karriere spielten die Durchstarter am Sweden Rock-Festival, dem grössten schwedischen Heavy-Metal und Rockfestival, als Headliner wohlverstanden. Ein Erlebnis, welches Marc Storace besonders geprägt hat: «Die Leute haben uns in Schweden nie live gesehen und haben bis in die hinterste Ecke mitgemacht. Das war Wahnsinn, Adrenalin pur. Das war besser, oder fast besser als Sex.»

Wo es Erfolg gibt, gibt es aber auch Kritik. «Es gibt ein falsches Bild vom Image einer Hard Rock-Band. Wenn Du schon graue Haare hast, Haare verlierst und Falten hast, solltest Du nicht mehr auf der Bühne stehen», erzählt Marc. Doch er nimmt's gelassen. Kritik sei gesund, weiss er und sagt: «Nein, wieso soll ich nicht mehr auf der Bühne stehen? Schau mal AC/DC. Das hat doch nichts mit grauen Haaren zu tun. Hard Rock ist ein Zeitgeist, das ist die neue Art von Musik!»

Die Wurzeln des Hard Rocks
Die klassische Musik, die Oper, habe heute nicht mehr so viel Erfolg wie auch schon, ist der Rockstar überzeugt. Obwohl er selbst ein Fan von klassischer Musik ist. Die klassische Musik hat auch viele Elemente vom Hard Rock. Deshalb ist Marc auch von Wolfgang Amadeus Mozart und seiner Musik so berührt: «Seine Lieder haben Harmonien und tiefe Hintergründe. Sie sind so melancholisch und traurig» und fügt hinzu:

«Mozart war ein Rock 'n' Roller. Er führte ein Rock 'n' Roll-Leben. Er konnte die Miete nicht mehr bezahlen und musste für andere Musik schreiben.»

Doch nicht nur der Stellenwert des Hard Rocks hat sich verändert. Mit dem Statuswechsel ist seit den Anfangszeiten von Krokus auch im Musikbusiness vieles anders geworden, vor allem auch das Verhältnis zwischen den Bands untereinander. «Die Einstellung hat sich geändert. Fernando und ich sind old-school, wird kennen das anders. Wir regen uns manchmal auf, dass es nicht mehr so läuft wie früher. Es fehlen gewisse Rituale wie Anstand und so. Wir haben mit vielen grossen Bands wie Def Leppard, Van Halen und AC/DC gespielt. Da war immer ein guter Geist und Respekt zwischen den Bands, auch wenn es ab und zu Unstimmigkeiten gab», bedauert Marc diese Entwicklung.

«Wir sind sehr enttäuscht, wenn wir sozusagen Schulbuben treffen, die etwas Erfolg haben, die Nase in die Luft strecken und etwas durchziehen wollen, das gegen den Rock 'n' Roll-Geist ist.»

(Neu-) Start in Europa
Für Krokus gab es aber auch positive Veränderungen. Früher hatten Krokus nur das amerikanische Management und die waren eigentlich nicht daran interessiert, Krokus in Europa zu pushen. «Sie konnten es nicht fassen, wie es in Europa läuft. Zum Beispiel, dass man an jeder Grenze Geld wechseln und eine andere Sprache sprechen muss. Das war für die Amerikaner <too much>», beschreibt der heute 52-Jährige die Erfahrungen aus den früheren Krokus-Zeiten. «Jetzt gibt's zum Glück den Euro und die englische Sprache kommt immer mehr». Heute haben Krokus auch ein deutsches Management, touren quer durch unseren Kontinent und holen das nach, was sie in ihren wilden Zeiten vernachlässigt haben: «Das schulden wir Europa!»



Mehr Informationen:
http://www.krokusonline.com