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Langnau Jazz Nights - Eine Woche Jazz vom Feinsten (Maurus)
Langnau Jazz Nights

Vom 27.-31. Juli fanden bereits zum 14. Mal die Langnau Jazz Nights statt. Einfach ein gewöhnliches Jazzfestival? Mitnichten. Workshops, Kurse und reger Austausch mit den Glanzstern-
en des Jazzhimmels stehen im Zentrum dieser Woche. Und das nicht nur für eingefleischte puristi-
sche Jazzstudenten.


Jeder, der mit Jazz was am Hut hat und ein Instrument passabel spielt, kann am Kursprogramm teilnehmen. Auch ich hab mit dem Klavier das volle Programm genossen. Das "Junior Jazz Meeting" ist ein wichtiger Bestandteil dieser Woche. In dieser Kategorie haben junge Bands (Bandmitglieder unter 21) die Möglichkeit auf dem Dorfplatz unter dem neuen, wunderschönen Sonnensegel, (das, wie ich von Einwohnern erfahren habe, nicht die ganze Gemeinde Langnau wirklich begeistert, aber das interessiert uns nicht; zu solchen Anlässen passt das elegant geschwungene Zelt perfekt.) Vor lauter lokalpolitischen Ausschweifungen hab ich den Faden verloren, wo war ich? Wie gesagt diese Jungen Bands aus der Schweiz und dem umliegenden Ausland haben die Möglichkeit dort aufzutreten und die Festivalbesucher beim Essen zu unterhalten. Das Essen wird in der festivalseigenen Währung "Blues" bezahlt und ist vortrefflich.

Der Tag verging mit Workshops, die im Kurhaus auf dem Dorfberg in der Musikschule und in der Sekundar-
schule stattfanden. Am Abend waren dann die Konzerte in der Kupferschmiede.

Ein absolutes Highlight war das Konzert von Trompeter Dave Douglas, der mit seinem jüngsten Album "Freak in" auf Tour ist. Seine Musik ist krank, könnte man sagen. Expressivste Spielwei-
se, die man andernorts suchen muss, mit atembe-
raubender Liveelektronik.


Nur Chris Potter, Saxophonist mit einer speziellen Bandformation (Sax, Dr, Git, Fender, kein Bass), vermochte mit seiner Performance, dessen Expressivität noch zu übertreffen. Nebst diesen Musikern, die ganz neue Wege im Jazz suchen, traten auch lebende Legenden auf, die traditioneller, dafür umso gekonnter spielten. Dazu gehörten Pianist Mark Soskin (jahrelanges Bandmitglied von Saxlegende Sonny Rollins), John Lee (jahrelanger Bassist von Dizzy Gillespie) usw.

Alle Konzerte und Künstler hier aufzuzählen wäre nicht spannend. Dazu verweise ich auf die Homepage von Langnau Jazz Nights. Was ich aber doch noch erwähnen möchte sind meine eigenen Erfahrungen als Kursteilnehmer dieser Woche.

Das Bereichernste war eigentlich, mit den Künst-
lern vor deren Konzert zusammen zu sitzen und über ihre Musik zu reden.


Das geschah teilweise irgendwo im Freien. Dabei musste ich feststellen, dass gerade die jüngere Gene-
ration (dazu gehörten Dave Douglas, Graig Tabora, Geri Allen) gar keine puristischen Ansichten über Jazz vertreten. Das sind einfach Menschen, die an der Musik "grübeln" und forschen und dabei auf ganz persönliche Resultate kommen. Bei diesen Musikern kann man nicht mehr sagen, sie gehören z.B. der Bibopära an.

Es sind einfach Freaks, anders kann ich es nicht sagen, aber das meine ich nicht im engsichtigen, "verbohrtem" Sinne.

Das übertrug sich denn auch auf die Kursteilnehmer, die sich einfach für die Materie begeistern konnten. Jeder durfte sich mit seinen Fähigkeiten einbringen, ohne dass nervtötendes Konkurrenzverhalten aufkam. Man bedenke, dass die Altersspanne der Teilnehmer sich von ca. 11 bis 70 Jahren erstreckte. Dass Musik ein soziales Bindeglied ist, wurde in Langnau einmal mehr auf besonders eindrückliche Art bewiesen. Alle, die Künstler, die Teilnehmer und die Konzertbesucher und die ganze Gemeinde Langnau wurden bereichert durch diese Woche. Die Atmosphäre, wenn eine ganze Gemeinde eine Woche lang für Jazz auf den Beinen ist, das muss man mal erlebt haben.


Mehr Informationen:
http://www.jazz-nights.ch